Viktorias Aufstiegs-Trainer im Interview

  • 10. Juni 2020
  • FC Viktoria 1889 Berlin
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Seit Freitag vergangener Woche ist es offiziell: Die U17 und U19 des FC Viktoria 1889 steigen nach dem Saisonabbruch aufgrund der Corona-Pandemie in die Junioren-Bundesliga auf und spielen damit zur Saison 2020/21 in Deutschlands höchster Spielklasse! Zeit, mit den beiden Trainern Arthur Jujko und Semih Keskin über ihren grandiosen Erfolg zu sprechen.

Wie liefen die letzten Tage nach der Bekanntgabe des Aufstiegs durch den NOFV ab?

Arthur Jujko: Es war natürlich schon etwas länger bekannt, dass die Chance besteht, in die Bundesliga hochzugehen. Offiziell wurde das Ganze dann mit dem DFB-Bundestag, auf dem entschieden wurde, dass die Relegationsspiele für diese Saison wegfallen und wir direkt mit der U17 aufsteigen könnten. Eine Woche später hat der NOFV dann auch mit der Quotienten-Regelung nachgezogen. Jetzt können wir mit voller Motivation in die neue Saison starten.

Das klingt nach viel Arbeit in den kommenden Wochen und Monaten.

Semih Keskin: Das ist ja ein ständiger Prozess und so haben wir sowohl vor der Bekanntgabe als auch danach ganz normal weitergearbeitet. Wir haben uns tatsächlich auch bis zuletzt auf zwei Szenarien vorbereitet – zum einen mit der Fortführung der Saison in der Regionalliga und zum anderen mit der Konstellation des Aufstiegs in die Bundesliga. Was sich natürlich jeder gewünscht hat.

Wurde denn trotzdem bis zur letzten Minute mitgefiebert?

Jujko: Wir haben definitiv bis zuletzt mitgefiebert, denn erst dann wurde es ja auch offiziell. Aber wir sind auch ein Stück weit davon ausgegangen, dass so entschieden wird, von daher hielt sich die ganz große Anspannung in Grenzen.

Keskin: Wir haben uns das alle so sehr gewünscht, dass auch wir natürlich bis zuletzt die Daumen gedrückt haben. Einer meiner Jungs sagte vor ein paar Tagen zu mir: ‚Es wäre aber schön gewesen, wenn wir vor vollen Tribünen den Aufstieg gemeinsam hätten feiern können‘ – und dem kann ich nur zustimmen.

Was war das für ein Gefühl, als endgültig feststand, dass in der kommenden Serie in der Bundesliga gespielt wird?

Keskin: Die Saison ist für uns super verlaufen, wir haben unser großes Ziel erreicht und es hat mir und meiner Mannschaft absolut Spaß gemacht. Aber ich gebe zu, dass ich die ganze Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachte. Natürlich ist es schade, dass wir mit so einer fabelhaften Truppe die Saison nicht richtig beenden konnten.

Jujko: Es war anders. Komisch. Ich bin mit der U17 ja auch schon in die Regionalliga aufgestiegen, doch das war wirklich ein ganz anderes Erlebnis. Damals hatten wir es einfach sportlich geschafft und nun fiel die Entscheidung für uns ja am grünen Tisch. Klar freut man sich da darüber, aber schon etwas verhaltener, als wenn man den Aufstieg auch sportlich erreicht hätte.

Keskin: Absolut, dem kann ich nur zustimmen. Da gehen uns natürlich auch die Emotionen ab. Nichtsdestotrotz schmälert es aber keineswegs die Ehre, die sowohl der U17 als auch der U19 gebührt.

Eine große Aufstiegssause ist aufgrund der Corona-Pandemie ja leider ausgefallen – wurde trotzdem gefeiert? Und wenn ja, wie?

Keskin: Auf jeden Fall! Ich habe mit den Jungs immer wieder Zoom-Konferenzen gemacht, wo man dann auch die Emotionen sehen konnte. Die Freude über den Aufstieg war auch virtuell nicht zu übersehen.

Jujko: Bei uns war alles natürlich wesentlich enger. Wir haben letztlich davon profitiert, dass der DFB jeweils zwei Aufsteiger aus dem Nordosten und dem Norden zugelassen hat und die Bundesliga auf 18 Mannschaften aufgestockt wurde. Aber ja, wir stecken noch in der Planung und schauen, dass wir zumindest im Juli eine kleine Abschlussfeier machen können.

Der Aufstieg ist jetzt fix – was sind die nächsten Schritte?

Jujko: Für uns ist aktuell erst einmal entscheidend, wann die Saison überhaupt losgehen kann, denn das steht momentan noch in den Sternen. Für uns geht es jetzt darum, den Kader so zusammenzustellen, dass wir in der Bundesliga konkurrenzfähig sind. Wir haben nicht vor, uns in der kommenden Saison in irgendeiner Form zu verstecken, sondern wollen aktiv sein und richtig tollen Fußball spielen. Dementsprechend muss da natürlich auch die nötige Grundfitness her, an der wir zurzeit intensiv mit unserem Athletiktrainer arbeiten.

Keskin: Die Arbeit hinter den Kulissen läuft aktuell bei allen auf Hochtouren. Wir haben seit knapp drei Wochen den Trainingsbetrieb wiederaufgenommen, arbeiten eng mit unserem Athletikcoach zusammen und versuchen ebenfalls, den Fitnessstand der Jungs zu verbessern. So viel Zeit, dass man in kleinen Gruppen beziehungsweise individuell trainieren kann, hat man im Normalfall während der Saison ja eigentlich nicht.

Welche Ziele werden für die kommende Saison gesetzt?

Jujko: Ein großes Ziel ist es, dass ein wesentlicher Teil aus unserer U17 in die U19 aufrückt. Das zweite Ziel ist dann auf jeden Fall die Ausbildung der Jungs. Wir wollen die Truppe soweit verbessern, dass wir auch eine sportliche Entwicklung sehen. Und das dritte Ziel – ich will jetzt nicht von Klassenerhalt reden, weil ich immer von Spiel zu Spiel denke – aber natürlich will ich jedes Spiel mit meinen Jungs gewinnen. Und dann sehen wir, was am Ende dabei herauskommt.

Keskin: Wir wollen uns sicherlich in der Bundesliga halten. Aber auch wir wissen, dass aller Anfang schwer ist. Es ist einfach noch mal eine riesige Umstellung für uns alle. Jedoch hat Viktoria Berlin auch die Erfahrung und ich durch die Bundesliga-Saison vor vier Jahren sicherlich auch.

Was sagen die Aufstiege in die Bundesliga über die Nachwuchsarbeit beim FC Viktoria 1889 aus?

Jujko: In der U17 und U19 herrscht schon lange ein wirklich sehr familiäres Verhältnis. Wir trainieren meist immer nacheinander und haben einfach eine richtig gute Verbindung untereinander. Sei es das jeweilige Trainerteam, als auch unter den Jungs. Es steckt aber natürlich auch eine gewisse Kontinuität dahinter. Ich bin jetzt fünf Jahre im Verein und das zeigt eben auch, dass man erfolgreich sein kann, wenn man auf Kontinuität und eine familiäre Struktur setzt. Und das haben wir durch den Aufstieg mehr als bewiesen.

Keskin: Man sieht bei Viktoria Berlin eine enorme Entwicklung. Der Verein hat sich viel professioneller aufgestellt, was die Strukturen, aber auch die Bedingungen drum herum betrifft. Und natürlich sind auch die Spieler inzwischen viel besser ausgebildet. All das ist schön mit anzusehen. Natürlich erhoffen wir uns jetzt, dass wir es besser machen als eben vor vier Jahren. Man hat ganz klar gesehen, dass wir bei Viktoria im Jugendbereich eine gewisse Konstanz entwickeln konnten. Das sieht man allein schon daran, dass Arthur und ich mehr als zehn Jahre im Verein sind – wenn man die Lichterfelder Zeit mit einrechnet. Er war damals der Co-Trainer der U17 und ich der Co-Trainer der U19. Und jetzt bestreiten wir die Mission Bundesliga gemeinsam.

 

 

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